
Frust in Blankenfelde? Dafür bin ich selbst verantwortlich. Denn habe ich nicht zu Beginn meines Projektes versichert, ich werde alle Straßen komplett erwandern? Da wusste ich auch noch nicht, dass es in Stadtteilen wie Blankenfelde sehr lange Straßen gibt, die im Nirgendwo enden. Selbst wenn es nicht den Anschein erweckt. So führt zum Beispiel die mehr als drei Kilometer lange „Hauptstraße“ in den Flecken Arkenberge mit vielen Häuser, aber leider gar keinen Straßen. Offensichtlich war man dort zu faul und beließ es einfach bei den Parzellennummern im Grundbuch. Es war zunächst kein Problem, da ein Bus nach Arkenberge fährt, der mich auch auf dem Hinweg überholte. Allerdings war es auch der letzte bis 20 Uhr, der zurückfuhr. Also noch einmal den gleichen Weg zurück zum Cafe Steckenpferd. Das hatte beim Hinweg noch nicht geöffnet. Bevor der erste gewaltige Schauer des Tages losbrach, war ich dort und aß gleich zwei Stücke vom leckeren Kuchenangebot. Große Lust und Zufriedenheit, da mir die totale Durchnässung erspart blieb.
Blankenfelde ist ein Stadtteil von Pankow, liegt sehr weit nördlich und grenzt an Brandenburg. Es ist das letzte Dorf in Berlin mit etwa zweitausend Einwohnern, die sich aber auf einer Fläche von über dreizehn Quadratkilometern angesiedelt haben. Insofern muss man immer lange Wege gehen, um wieder auf ein wenig Besiedlung zu treffen. Es gibt nur eine Busverbindung. Die ehemalige Heidekraut-Eisenbahnlinie wurde eingestellt, aber ein ehemaliger Bahnhof und die Geleise erinnern noch an die Zeit. Was macht den kleinen Flecken interessant? Es ist die Umgebung. Das Dorf ist umzingelt von einem riesigen Naturschutzgebiet, Feldern und Wäldern, dazwischen ein leicht zugewachsener See als Refugium für allerlei Wasservögel.

Wem das flache Berlin nicht so gut gefällt , der kann in Blankenfelde eine Bergtour unternehmen. Allerdings sollten die Erwartungen nicht allzu hoch gesteckt werden. Aus der Eiszeit stammen einige Verwerfungen, die kaum die Höhe von achtzig Metern übertreffen. Aber in Berlin nennt man so etwas einen Berg.

Es ist auch das frische Bio-Angebot der ansässigen Bauern, welches die Kundschaft aus dem fernen Berlin anlockt. Und es ist die alte Dorfkirche aus dem vierzehnten Jahrhundert, die im eigentlichen Dorfkern zu finden ist.

Der Botanische Volksgarten hat mein Interesse geweckt. Wie der Name schon andeutet, steht er er jedem Besucher kostenlos zur Verfügung. Er kommt nicht so wissenschaftlich daher. Nicht an jeder Pflanze ist ein Schild mit lateinischem Namen angebracht. Dafür demonstriert er aber überdeutlich das Ernährungsproblem der heutigen Zeit. Auf einer Fläche von genau 2000 Quadratmetern sind die Nahrungsmittel der gesamten Welt zu finden. Die Zahl wurde so gewählt, weil der heutigen Menschheit etwa genau diese Fläche pro Kopf für Ernährung zur Verfügung steht. Das hört sich zunächst einmal ganz ordentlich an. Allerdings ist neben dem Feld ein Tisch aufgestellt. Statt mit Tellern hat man ihn mit runden Fotos gedeckt. Darauf sind verschiedene klassische Gerichte dargestellt, die auf der Welt gegessen werden. Dreht man die Fotos um, so kann man lesen, wieviel Quadratmeter Erde ein einzelnes Gericht für den Anbau der Zutaten benötigt. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass es zum Beispiel für eine normale Portion Spaghetti Bolognese bereits eineinhalb Quadratmeter sind.
Der Botanische Volksgarten hat ein kleines Gewächshaus, überhaupt keine Beete im klassischen Sinn, bietet aber dafür Möglichkeiten für lange Spaziergänge in der Natur.

Mein besonderer Tipp für Blankenfelde ist der Zions Kirchhof, der im Titelbild zu sehen ist. Das ist einer der wirklich alten Friedhöfe in Berlin mit wunderbaren Baumriesen und uralten Grabstellen.

Wer vielleicht einen sehr individuellen Grabschmuck für seine letzte Ruhe sucht, sollte auf alle Fälle beim Steinmetz nebenan vorstellig werden. Der hat wirklich für jeden Wunsch das passende Angebot.

