Der Steglitzer Kreisel – ÜBerlin

Eigentlich sieht er ganz hübsch aus bei untergehender Sonne. Der Steglitzer Kreisel. Aber der Schein trügt. Seit 1968 ist er ein einziges Ärgernis und erfüllt nicht nur die drei Kriterien für diese Rubrik: er ist teurer als geplant, sieht mittlerweile völlig anders aus und wird später fertig als geplant. Er ist nämlich nach über 56 Jahren immer noch nicht fertig und es gibt auch keinen gesicherten Fertigstellungstermin.

Der Steglitzer Kreisel besteht aus einem Sockelbau und einem 120 Meter hohen Turm. Geplant war er als Bürogebäude mit Geschäften im Sockel und einem Busbahnhof im Untergeschoss, sowie Büros im Turm. Bereits die Planung stellte die Architekten vor große Herausforderungen. Die Gesamtfläche für das Gebäude beherbergte eine Eiche, die bereits Kaiser-Wilhelm gepflanzt hatte und daher auf alle Fälle verschont werden musste. Auf einer Seite war eine Autobahn geplant, zu der ausreichend Platz freigehalten werden musste. Die Architektin Kressmann-Zschach erhielt den Zuschlag für den Bau, der auch zügig angegangen wurde. Die Baukosten wurden auf etwa 180 Millionen Mark geschätzt, von denen die Stadt Berlin 110 und die Architektin 70 Millionen aufbringen sollten.

Bis zum Jahre 1974 stiegen die Baukosten so immens, dass die Bauträgergesellschaft Konkurs anmeldete. Die Stadt blieb auf einer unfertigen Baustelle und etwa 42 Millionen Bürgschaft , sowie auf 35 Millionen Mark bereits getätigter Ausgaben sitzen. Der Vorgang war so dubios, dass die Staatsanwalt ermittelte, ihre Arbeit aber wieder einstellen musste. Immerhin mussten zwei Senatoren ihren Hut nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt wäre es sicher eine gute Idee gewesen, den Bau zu sprengen und von vorne zu beginnen. Aber das ist nicht die Berliner Vorgehensweise. Lieber schmeißt man einem verunglückten Projekt weiteres Geld hinterher, als einen Fehler zuzugeben. Im Jahre 1977, also rund drei Jahre nach Einstellung der Bauarbeiten, ersteigerte die Firma Becker und Kries den Kreisel für wenig Geld und stellte ihn für den Senat bis zum Jahre 1980 fertig. Die Baukosten waren inzwischen auf 323 Millionen Mark angestiegen. Jetzt gab es zwei Eigentümer, nämlich die Baugesellschaft für den Sockel und den Senat für den Büroturm. In den Sockel zogen bald viele Geschäfte ein, die Büros erwiesen sich als nicht vermietbar. Um den Schaden möglichst gering zu halten, mussten die Mitarbeiter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf in die leerstehenden Büroräume einziehen.

Soweit so gut, oder aber so schlecht. Denn kaum waren die Beamten in das Hochhaus eingezogen, stellte sich heraus, dass es asbestverseucht ist. Kostenschätzungen ergaben, dass die Sanierung etwa 84 Millionen Mark gekostet hätte, ein Neubau für die Beamten an anderer Stelle aber lediglich 42 Millionen Mark. Also entschloss man sich, die Beamte in andere Häuser zu verteilen. Der Büroturm musste aufgrund behördlicher Auflagen im Jahre 2007 geschlossen werden. Zehn lange Jahre vergingen, in denen man über die weitere Verwendung des Gebäudes diskutierte. Für das unsanierte Gebäude gab es keine Interessenten, für die Sanierung kein Geld. Jährlich kostete diese Verzögerung den Senat mehr als siebenhunderttausend Mark. Schließlich fand man in der CG Gruppe einen Interessenten, der das Gebäude für 21 Millionen Euro erwarb und es als Wohngebäude umwidmen wollte. Insgesamt sollten 330 Eigentumswohnungen entstehen. Die Baukosten wurden auf 180 Millionen Euro veranschlagt, ein Fertigstellungstermin für 2020 geplant, der dann rasch auf 2022 verlegt wurde. Am heute noch eingerüsteten Gebäude hängt ein Hinweis auf 2023, der aber auch wieder überholt ist. Auf Rückfragen beteuert der Bauunternehmer immer wieder, dass es einen Baufortschritt gäbe, der aber nicht sichtbar sei. Es werde nämlich im Innern des Gebäudes gearbeitet. Das ist wenig einleuchtend, da das Gerüst für diesen hohen Bau sicherlich Unsummen verschlingt. Daher wäre es sicher sinnvoll, erst einmal außen alle Arbeiten fertig zu stellen. Aber weder innen noch außen sieht man Menschen, die sich bewegen. Vielleicht werden sie das auch gar nicht mehr. Denn die Vermarktung der Eigentumswohnungen ist unter dem wohlklingenden Namen „ÜBerlin“ in vollem Gange. Viele zukünftige Eigentümer haben wohl schon in den Bau investiert. Möglicherweise decken aber die Einnahmen aus dem Verkauf nicht die Baukosten Ein Käufer hat bereits erfolgreich gegen den Bauunternehmer geklagt. Sein Anteil am Gebäude wurde im Grundbuch gegen den Willen des Bauherrn eingetragen. Damit will er sich schützen, wenn irgendwann möglicherweise wegen Konkurses wieder ein neuer Investor auftaucht, der glaubt, mit der Ruine Profit machen zu können.

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