Besuch im Paradies – Tag 3

Der Tag beginnt entspannt und bleibt entspannt. Das tut auch gut nach den vielen unterschiedlichen Eindrücken der Vortage. Zunächst ein langer Spaziergang am Strand. Danach ein ausgiebiges Frühstück mit Blick zum Meer.

Der Himmel ist bedeckt. Dadurch ist es nicht ganz so heiß. Pünktlich um 10 Uhr wartet das Taxi auf mich und bringt mich zum Paradies. Ich habe Glück. Der Verkehr ist nicht so heftig. Wir fahren gemächlich. So gelingen mir Schnappschüsse aus dem Wagen: Ein paar grasende Dromedare am Fahrbahnrand, das Gefängnis und das angrenzende Gericht. Fotos von amtlichen Gebäuden sind in Kenia streng verboten. Aber ich bin auf Abenteuertour. Der Thrill muss sein.

Im Paradies ist man schon fleißig bei den Vorbereitungen für das Mittagessen. Feuerholz ist aufgeschichtet. Das Gemüse wird geschnibbelt, der Reis vorbereitet. Die Männer sind mit den Motorrädern unterwegs, um noch einige Besorgungen zu machen. Da wollen wir nicht länger stören. Wir packen ein paar Hunde in das bereitstehende Tuk-Tuk und los geht es zum Strand. Daniela hat es vor ein paar Jahren als gebrauchtes Taxi gekauft. Die müssen einen gelben Streifen haben, damit sie die Polizei leichter identifizieren kann. Das wollte Daniela aber auf alle Fälle vermeiden. So wurde der gelbe Streifen kurzerhand blau gestrichen. Daniela war nicht begeistert davon.

Wir fahren an den „Public Beach“ . Der sieht sehr naturbelassen aus, nicht vergleichbamit den täglich gesäuberten Hotelstränden. Auch hier standen früher Hotelpaläste, auch reiche indische Familien haben hier gewohnt. Die Zeiten sind längst vorbei. Heute ist man meistens alleine. unterwegs. So haben die Hunde freien Auslauf, den sie genießen.

Wenn man hier jemandem begegnet, dann sind es wahrscheinlich Kühe.

Nach gut einer Stunde geht es zurück ins Paradies. Dort sind die umfangreichen Vorbereitungen für das Mittagsmahl noch längst nicht abgeschlossen. Daniela hat auch noch einiges zu tun. Da kommt die Hängematte wie gerufen. Kurz vor dem Einnicken überlege ich noch, ob ich das, was ich gesehen habe, schon irgendwie einordnen kann. Wie kann man Kenia beschreiben? Wie ist Danielas Arbeit zu bewerten? Ich bin kein Mann der schnellen Bewertungen. Ich muss mir noch etwas Zeit geben. Nach diesem Ruhetag gibt es noch viel zu erkunden. Inzwischen ist auch das Mittagessen fertig. Die Tafel ist gedeckt. Es duftet wunderbar, und es wurde eine Riesenportion vorbereitet. Da werden alle satt, und es wird auch noch etwas übrig bleiben. Zunächst wird ein Tischgebet gesprochen, dann erkläre ich ein deutsches Ritual, bei dem man sich die Hände gibt und sagt : „Guten Appetit, den bring wir alle mit“. Das wird freudig aufgenommen und in fast fehlerfreiem Deutsch wiederholt. Das Essen zieht sich über einige Stunden bei angeregten Gesprächen. Für jeden gibt es noch ein Getränk nach Wahl. Besonders beliebt sind Fanta oder Cola, die man sich von seinem kleinen Einkommen nie leisten könnte.

Zum Abschluss gibt es noch einen leckeren selbst gebackenen Kuchen, und dann geht es wieder an die Arbeit. Heute bin ich noch fit genug, um die Frauen beim Hundespaziergang zu begleiten. Dabei lerne ich die nähere Umgebung kennen.

Daniela möchte mir auf dem Weg noch ein Haus zeigen, welches sie eventuell mieten möchte. Sie hat im Augenblick großen Stress mit ihrer jetzigen Vermieterin und will von dort weg, wo sie jetzt wohnt. Es fällt ihr sichtlich schwer, eine Entscheidung zu treffen, da sie dort selbst ein Haus mit eigenem Geld errichtet hat. Das ist unwiederbringlich verloren. Außerdem wird der Platz im Paradies allmählich zu eng für alle Menschen und Tiere. Und es wäre schön, wenn es ein Besuchszimmer gäbe. Immer mehr Menschen wollen einmal mit eigenen Augen sehen, was Daniela in Kenia vollbringt. Unterkünfte in ihrer Nähe gibt es praktisch nicht. Da wäre es hilfreich, wenn sie nicht immer die Fahrten zu ihrem Paradies organisieren müsste.

Mit dem neuen Vermieter ist sie in Verhandlungen. Der wohnt aber weit entfernt, was die Kommunikation sehr erschwert. Man muss sich noch über Reparaturen einigen. Es gibt noch keinen Vertrag. Der Vermieter meldet sich nur selten. Daniela ist bereit, Verschönerungen und Reparaturen im Haus selbst durchzuführen. Das Haus muss allerdings auch von außen saniert werden. Ich schaue mir das Gebäude an. Wenn man es sich komplett saniert vorstellen kann, wird es sehr hübsch aussehen. Ich ermuntere Daniela, aktiv auf den Vermieter zuzugehen. Während meiner Zeit in Kenia erhält sie allerdings keine Antwort.

Aber nicht lange nach meiner Ankunft in Deutschland erreicht mich Nachricht, dass der vertrag unterschrieben ist. Schon wenige Woche später treffen die ersten Fotos vom frisch sanierten Haus ein. Es ist ein zweites Paradies geworden.

jetzt wird es auch schon wieder Zeit für die Fahrt ins Hotel. Morgen ist der Tag wieder vollgepackt mit vielen neuen Eindrücken. Im Hotel angekommen, werde ich daran erinnert: Heute ist Valentinstag. Das Hotel hat für jeden Gast eine kleine Überraschung vorbereitet.

Und nach dem Abendessen schnell unter mein Moskitonetz.

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