Lichtenrade u.v.a.

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Es gibt einige Stadtteile in Berlin, über die es nicht viel zu sagen gibt. Man findet wenige Sehenswürdigkeiten. Es sind überwiegend Wohngebiete. Ihre Besonderheiten kann man in wenigen Sätzen beschreiben. Daher möchte ich diese Geschichte den Stadtteilen widmen, die dieses Los teilen. Beginnen wir also mit Lichtenrade.

Lichtenrade

Zunächst einmal eine kurze Einordnung. Lichtenrade ist der südlichste Stadtteil des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Er wird von drei Seiten durch das Land Brandenburg eingekreist. In Zeiten des Kalten Krieges gab es für die Einwohner nur einen kleinen Korridor, um in die anderen
Teile Westberlins zu gelangen. Mauern überall damals. Zu den berühmtesten Einwohnern gehört der ehemalige Regierende Bürgermeister Wowereit. Bushido soll hier sein Abitur gemacht haben. Lichtenrade zählt heute etwas über 52000 Einwohner auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern. Leider hat der Ort mehr als 200, teilweise sehr lange Straßen.

Lichtenrade findet seit dem vierzehnten Jahrhundert Erwähnung. Aus dieser Zeit stammt auch die Dorfkirche, die, wie in allen Ortsteilen Berlins, von einer Straße umzingelt wird. Die heißt natürlich Alt-Lichtenrade. Allerdings ist das hier eine alte Dorfstraße, deren grobe Pflastersteine offensichtlich aus derselben Zeit stammen. Und nicht etwa eine vierspurige Bundesstraße. Die Kirche spiegelt sich bei schönem Wetter im Griebelpfuhl, dem alten Dorfteich. Hier findet alljährlich im September ein Weinfest statt, was für Berlin schon ungewöhnlich ist, da die Stadt nicht für ihren Wein bekannt ist. Abgerundet wird das Stadtbild durch einige alte Gebäude. Besonders charmant ist die Dorfschmiede von 1866.

Ganz früher hieß Lichtenrade einmal Lichtenrode. Das trifft den Sachverhalt auch viel besser. Denn ursprünglich musste für die ehemaligen wenigen Dorfbewohner ein kleines Stück Wald für ihre Unterkünfte gerodet werden. Erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden nach und nach zehn Quadratkilometer Wald gefällt, um der schnell wachsenden Bevölkerung Fläche für Wohnungen zu geben. In wenigen Jahren wuchs die Gemeinde von fünftausend auf über fünfzigtausend Menschen an. Zunächst war genügend Platz für einzelne Häuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, wie überall in Berlin, moderne Wohnsilos. Aber egal, ob Einfamilienhaus oder Hochhaus: in Lichtenrade wird man vergeblich oder nur mit großer Anstrengung eine architektonische Besonderheit entdecken. Daher lohnt sich ein Besuch auch nur bedingt. Entweder zum Weinfest oder für einen Waldspaziergang. Denn Wald ist an den Ortsrändern immer noch reichlich vorhanden.

wird fortgesetzt

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