Rudi Dutschke meets Axel Springer/Rudi Dutschke trifft Axel Springer

deutscher Text weiter unten

Two people, who stand for opposite opinions and have been fighting a long time of their life against each other, stand together since April 30th, 1988. How comes?

Whereas Axel Springer raised to the most powerful editor of printmedia after Worldwar II, Rudi Dutschke became a well-known student revolutionary in the late 1960´s. Springer used his magazines and daily papers, namely „Bild“ to influence the german public with his conservative opinion, whereas Dutschke demonstrated on the streets against „American occupation“, atomic weapons on german ground and the conservative ideas of the Springer-papers. „Expropriate Springer“ was an often heard slogan of these days.

In 1967 Benno Ohnesorg, a very popular demonstrator got killed on the streets. The Demonstrators made Springer responsible for the assassination, called „Bild killed Ohnesorg“ on the streets and attacked editors and the buildings of the Springer emporium.

Springer suffered from schizophrenia and considered himself the new Messiah. He made a trip to Moscow to meet the russian president Nikita Chruschtschew and discuss the reunification of Germany with him. But Chruschtschew denied his proposals ,which made Springer so angry, that he fired his mentor Hans Zehrer, who accompanied him to Russia. After a long life as an „Emperor of Print Media“ Springer died on September 22nd, 1985 and was burried at the cementary of Berlin-Nikolassee.

Rudi Dutschke got shot during a demonstration  in Berlin on April 11th, 1968 and heavily wounded. He never recovered properly from the shooting, went to Scandinavia, graduated in 1973, and died in 1979. He was burried at the St.-Annen cementary in Berlin-Dahlem.

In 2005 the left-orientated newspaper „taz“ with it´s headquarter on Kochstrasse in Berlin made a proposal to the Berlin administration to rename a part of Kochstrasse into Rudi-Dutschke-Strasse to remember the revulutionary and his work. The taz recommended the part between theirs and Springer´s Headquarter. They did not ask for the renaming of the total street, because Koch was a too important person for Berlin to make this happen. The adminstration agreed to the proposal and decided the renaming for April 1st 2004.

27 people and the Springer Publishing Company were against this plan. Springer did not want to get all mail adressed to Rudi-Dutschke-Strasse 1, Springer´s biggest opponent. The renaming had to be cancelled. But the taz newspaper did not give up. They asked for a referendum and  most of the people voted for a name change. So finally on April 30th, 2008 the new nameplate was revealed. Rudi-Dutschke-Strasse starts directly at Axel-Springer-Strasse. Both persons are reunited after death.

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Seit dem 30. April 1984 sind zwei Menschen vereint, die gegensätzlicher nicht sein können und die sich Zeit ihres Lebens bekämpft haben. Wie kann das sein?

Während Axel Springer zu dem größten Zeitungsverleger in Deutschland wurde, kennen wir Rudi Dutschke als Revolutionär der späten 1960er Jahre. Springer benutzte seine Presseorgane, besonders „Bild“, um die Bevölkerung mit seinen konservativen Überzeugungen zu beeinflussen. Rudi Dutschke demonstrierte  auf der Straße gegen atomare Waffen, den Einfluss der Amerikaner und die Springer-Presse. „Enteignet Springer“ war ein oft gehörter Ruf der Straße, denn längst beherrschte Springer weite Teile der Presse und nahm monopolistische Züge an, die das Recht der freien Meinungsäußerung einzuschränken drohten.

1967 wurde der Student Benno Ohnesorg auf offener Straße erschossen und viele machten Springer und seine Kampfblätter indirekt hierfür verantwortlich. „Bild tötet Ohnesorg“ lautete eine Schlagzeile. Studenten begannen, Mitarbeiter von Springer anzugreifen und die Gebäude des Verlages zu attackieren.

Springer wurde zwischenzeitlich von seinen Leuten weitgehend abgeschirmt. Eine beginnende Schizophrenie machte sich bemerkbar. Springer hielt sich zeitweise für den Messias, der auf friedlichem Wege die Einheit Deutschlands wieder herstellen könne. Eines Tages macht er sich auf den Weg, Nikita Chruschtschow in Moskau zu besuchen. Zusammen mit seinem Mentor Hans Zehrer will er ihm den Plan zur deutschen Einheit vorstellen. Chruschtschow hört sich das geduldig an, ist aber nicht begeistert. Zornig reist Springer aus Moskau ab und bricht mit Zehrer. Ab jetzt beschließt er, den Kommunismus mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpften. Er baut seine neue Zentrale in der Kochstraße in Berlin und lässt vom Dach des Hochhauses unentwegt Schlagzeilen in Leuchtschrift in den Osten der Stadt senden.

Am 11. April wird Rudi Dutschke während einer Demonstration auf der Straße angeschossen. Die Verwundung ist so schwerwiegend, dass er sich davon nie wieder erholen wird. Er wandert nach Skandinavien aus, promoviert dort und stirbt 1979 an den Folgen des Attentats. Er wird auf dem St-Annen Friedhof in Berlin -Dahlem beigesetzt. Axel Springer stirbt am 22. September 1985 und wird auf dem Friedhof Berlin-Nikolassee beerdigt.

Im Jahre 2005 hat die Redaktion der linken Tageszeitung taz eine wunderbare Idee. Die Geschäftsräume liegen auf der Kochstraße, in Blickweite zum Springerhochhaus. Wie wäre es, wenn man diesen Teil der Straße dem Gedenken des Revolutionärs Rudi Dutschke widmen würde? Die nicht so geliebten Kollegen von Springer würden dann täglich die Post auf die Rudi-Dutschke-Straße 1 zugestellt bekommen, Springers größtem Feind. Gesagt, getan. Flugs wurde ein Antrag bei der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg gestellt. Die stimmte diesem Antrag mehrheitlich zu und ordnete die Umbenennung zum 1.April 2004 an.

Doch 27 Anwohner, unter ihnen auch der Springer-Verlag, wehrten sich gegen den neuen Namen und klagten dagegen mit Erfolg. Aber die taz gab nicht auf. Sie erwirkte ein Bürgerbegehren, in dem letztlich die Mehrheit einer Umbenennung der Straße zustimmte. So konnte am 30.April 2008 in Anwesenheit der Dutschke-Familie das neue Straßenschild eingeweiht werden. Ob Redakteure von Springer anwesend waren, ist nicht überliefert. Aber aus dem angrenzenden Springer-Hochhaus konnte man alles beobachten.

So treffen nun, zumindest symbolisch, die Kontrahenten der 1960er Jahre direkt aufeinander. Denn die Rudi-Dutschke-Straße beginnt genau dort, wo die Axel-Springer-Straße endet.

PS: Muss man jetzt die Post für den Springer-Verlag an die Rudi-Dutschke-Straße 1 schicken? Natürlich nicht. Der Berliner Senat wollte sich nicht mit dem mächtigen Verlag anlegen. So wurde kurzer Hand dem freien Platz hinter dem Springer-Hochhaus ein Name verpasst: Axel-Springer-Platz. Das ist die neue postalische Adresse des Verlages. Wenn ihr mal dort seid, schaut euch die Skulptur „Der Mauergänger“ von Stephan Balkenhohl an. Wer dort einen Balanceakt auf der Berliner Mauer vollführt, hat verdammte Ähnlichkeit mit Axel Springer.

 

 

 

 

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