Das Märkische Viertel – jott we de

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Eigentlich genügen zwei Sätze, um das Viertel zu beschreiben. Es liegt weit draußen und ist eine typische Bausünde der 1960er Jahre. Das obige Bild ist das einzige, das ich vom Märkischen Viertel gemacht habe. Es gibt einen einfachen Grund. Mehr lohnt sich nicht.

Das Märkische Viertel ist eine Ansammlung von sehr hohen Wohnhäuser in Form einer Pfeilspitze. Die Konturen dieser Spitze werden von vier Straßen gebildet, von denen eine bereits in einem anderen Stadtteil liegt. Da die Häuser alle mit ihrer Rückfront zur Straße liegen, sieht das Viertel aus wie eine riesige, uneinnehmbare Trutzburg. Eindringen kann man wirklich nur über wenige Straßen, die durch diese Burg gezogen wurden. Das Märkische Viertel ist die Antwort westlicher Architekten auf die Plattenbaustädte des Ostens. Ich nenne das Architektur-Terrorismus. Hier wird den Menschen ihr Lebensstil vorgeschrieben. Zusammenleben in großen Massen unter der Aufsicht eines Hauswarts, der auf die Einhaltung der Ordnung achtet. Lange Wege zu den Versorgungseinrichtungen. Was kam, war unausweichlich; Ghetto. Sido, im Märkischen Viertel aufgewachsen, romantisiert die Zeit des Krawalls, der blutigen Auseinandersetzungen, des Rauschgifthandels, der Prostitution und Kriminalität in einem Rap. Aber die Zeiten sind vorbei, oder waren auch nie so heftig. Die heutigen Jugendlichen trifft man auf der Skatebordbahn, im Jugendclub oder im Sportverein. Die Verwaltung hat eine Menge getan. um den Jugendlichen eine Perspektive zu bieten.

Schlechter ist es um die Alten gestellt. Davon gibt es eine Menge. Denn die meisten Menschen, die schon zu Beginn hierhin gezogen sind, wollen nicht mehr weg. Die meisten von ihnen bewerten ihren Stadtteil positiv. Die Mieten sind vergleichsweise niedrig. Dafür nimmt man viele Unannehmlichkeiten in Kauf. Das geringe Unterhaltungsangebot, die fehlenden Eckkneipen, Restaurants und Möglichkeiten zum Treffen. Die endlosen Wege zum Einkaufen, zum Arzt oder Apotheker. Nichts ist wirklich um die Ecke, alles zentralisiert. Auch der Weg ins oder aus dem Viertel geht nur mit Bussen. S- und U-Bahn sind weit entfernt. Dagegen ist für die Amateursportler bestens gesorgt. Radfahren macht Spaß auf den zahlreichen geteerten Wegen. Die führen aufs Land oder in den Wald.

Und was ist mit der Kultur? Von überall weisen Schilder auf das Fontanehaus. Gefunden habe ich es nicht. Was an meiner Vorstellung scheiterte. Ich verband nämlich den Namen des Dichters mit den Schilderungen seiner Wanderungen in Brandenburg. Und vermutete, dass er hier vielleicht vor langer Zeit einmal gelebt haben könnte. Also suchte ich nach dem kleinen Haus, in das er sich zum Schreiben zurückzog. Aber weit gefehlt! Sein Name schmückt lediglich einen weiteren Betonpalast, in welchem Konzerte und Veranstaltungen jeglicher Art stattfinden. Auch für ein großes Publikum, das aus der ganzen Republik anreist. Besonders beliebt ist ein Abend mit Cowboymusik aus dem mittleren Westen der USA. Gut, dass Fontane das nicht mehr erlebt hat.

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