Siemensstadt – living and working at one place

deutsche Fassung weiter unten

I started my job career in 1994 at Siemenstadt. So I got very exited to see this part of Berlin again this year and was very suprised to find out, that the character of the district has not changed that much.

Siemensstadt was built in the early 20th century, when the Siemens company decided to concentrate all their plants at the area. Many „Werner-factories“, named after the founder Werner von Siemens, arised. Also the daughter Company Siemens-Schuckert followed with a number of factories. Some tenthousand workers came every day into the area. Siemens grow so fast, that the company decided, to move their headqarter with about threethousand people to Siemensstadt also.

Commuting became a big issue, so around 1920 Siemens decided to build appartments and houses for their employees near-by in the Jungfernheide-forest, which was walking distance to work. The charcteristic of Siemensstadt are red brick industrial buildings and wide-spread houses from the 1930´s in a pleasant sorrounding. Today these houses are under monument protection law.

After Worldwar II Siemens continued to produce in Berlin. The government supported the production of goods in Berlin by tax subsidy. The Headquarter however was replaced to Munich. The fear of a Russian occupancy of Berlin was the main reason. So Siemensstadt became a place for industrial labour. That changed again, when the government give up the financial support. It became infficient to transport the goods through the DDR corridor and more and more plants were closed ore sold. Today only thirteen-thousand People live in Siemensstadt.

When you walk through the streets of Siemensstadt, you can find all the names of the Siemens family, but also names of former members of the Siemens board. Only Siemensdamm is an important road, whereas all the others are smaller streets. Members of the board have streets with a dead end sometimes. Omen est nomen?

When I started to work at Siemens in 1964, I really had no idea, what would happen. People, who want to start a commercial career, had to practically learn about the products and how they were made. They sent you to Berlin for three months  to work with raw material and stand in the production line. Coming from highschool, I was not used to start working at 6.00 am  for eight hours standing. I had a week to prepare a cube out of a piece of raw iron. After that week the cube shrinked day by day, but had not a single right angle nor one flat area. I really wanted to quit and go home.

But everything changed, when I met the old warm-hearted smith, who showed us how to make a scew-driver out of a round piece of steel. He put the piece into the fire for a while and then started to use his hammer, hit on the steel  and changed it into a srewdriver with exact measurings. He showed the result to the crowd. Everybody but me was surprised about the work. I sayed very loud and clear:“That was not difficult“.  The Smith asked me t come in front and repeat, what he did before.  Great!

So I took another piece of steel, put it in the heat and  waited for an appropriate time to start hammering. At the end I had a piece, that looked at least somehow like a srew-driver , not as exactly as the smith´s one, but good enough to work with. The Smith was surprised and asked me to stay a little longer with him, because he want to show me more of his  skills. After two weeks it was time to say good-bye, but he wanted me to stay with him. „I cannot understand, that you want to leave, when you can become a good smith here. I want to keep you“. The smith was at that time already the last one of his kind in the company and only used to train young people  a business, that was no longer necessary. I wanted to be polite and said „look, my arms are so thin, I can hardly hold the hammer“. But he answered „weak muscles will get stronger after a while, but more importantly a good smith needs his brain  for work and brain does not become stronger after a while.“

I never met the smith again in my life. But last month i had the opportuniy to visit the atelier of the well-known art-smith Professor Fritz Kühn and admired his outstanding work as a smith, writer and photographer. Now I understand, that  I was a complete idiot at that time in 1964  and my smith was a wise man. Thank you.

What to do in Siemensstadt: take U7 to Rohrdamm. From here you can see most of the old industrial buildings. Then go up Rohrdamm and make a right turn into Diehlmannstrasse, where you find the appatmenthouses from the 1920s.

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In Siemensstadt habe ich 1964 meinen beruflichen Werdegang begonnen. Also war ich sehr aufgeregt, diesen Stadtteil nach über 50  Jahren intensiv kennen zu lernen. Dabei war ich erstaunt, dass der Charakter des Stadtteils sich nicht wesentlich verändert hat.

Siemensstadt entstand erst im frühen zwanzigsten Jahrhundert, als die Firma Siemens beschloss, ihre Fabrikanlagen an einem Standort in Berlin zu konzentrieren. Es entstanden eine Vielzahl von Werner-Werken, benannt nach dem Gründer Werner von Siemens. Auch die Tochterfirma Siemens-Schuckert siedelte ihre Firmen in der Gegend an, und so erhielt der Stadtteil seinen Namen. Einige zehntausend Fabrikarbeiter kamen jeden Tag aus der Umgebung in die Fabrikhallen, und bald wuchs das Unternehmen so rasch, dass auch ein Gebäude für die Hauptverwaltung für etwa dreitausend Mitarbeiter gebaut wurde.

Siemens entschloss sich bereits in den frühen 1920er Jahren, auch bezahlbare Wohnungen für die Angestellten und Arbeiter des Unternehmens zu errichten. So entstanden im Erholungsgebiet Jungfernheide kleine Häuser und große Mietwohnkomplexe, von denen die Siemens-Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle bequem in wenigen Minuten erreichen konnten. Siemensstadt ist geprägt von Industriebauten aus roten Backsteinen und den riesigen, aber idyllischen Wohnanlagen im Grünen für die Mitarbeiter, die heute unter Denkmalschutz stehen.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte Siemens zunächst sein Engagement in der Produktion in Berlin fort, nicht zuletzt wegen der Subventionen auf in Berlin erstellte Produkte. Die Hauptverwaltung zog allerdings nach München um. Zu stark war wohl die Befürchtung, dass die Russen Berlin über Nacht einnehmen könnten. So wurde Siemensstadt ein Platz der Werktätigen. Nach Fortfall der Subventionen verlor der Stadtteil aber auch seine Bedeutung als Produktionsstandort. So sind zwar noch alle Siemenswerke erhalten, einige davon aber in neuem Besitz. Auch die Einwohnerzahl ist mit etwa 13000 heute recht bescheiden.

Wenn man die Straßen des Stadtteils erwandert, trifft man auf viele Straßennamen, die entweder an herausragende Forscher der Elektrotechnik, an Mitglieder der Familie Siemens oder gar an deren Vorstände oder Aufsichtsräte erinnern. Wobei mit Ausnahme des Siemensdamm alle anderen Straßen eher bescheiden daher kommen. Die Namen der Vorstände sind zum Teil sogar Sackgassen. Omen est nomen?

Als ich im April 1964 zu Siemens kam, hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukam. Wer als Kaufmann etwas werden wollte, musste  etwas über die Produkte und deren Herstellungsprozess lernen. Dazu wurde man für drei Monate nach Berlin geschickt und lernte zunächst die Bearbeitung von Werkstoffen. Das war eine absolute Qual für uns Abiturienten, die nicht gewohnt waren, schon um fünf Uhr aufzustehen, den ganzen Tag während der Arbeit zu stehen und handwerkliche Tätigkeiten auszuüben. Mein Würfel, den ich aus einem Eisenblock feilen sollte, war nach einer Woche zwar viel kleiner geworden, hatte aber nach wie vor keinen einzigen rechten Winkel oder eine glatte Fläche. Ich war so frustriert, dass ich kurz davor war, dass Handtuch zu werfen und nach Bonn zurück zu fahren.

Aber dann ging es für ein paar Tage zum Schmieden. Und der ältere Herr, der uns das beibringen wollte, war deutlich netter als die vorherigen Meister, die den Befehlston der Wehrmacht noch nicht abgelegt hatten. Also zeigte er uns, wie man aus einem Rundstahl, nachdem er fachgerecht erhitzt war, mit ein paar Schlägen einen ordentlichen maßgenauen Schraubendreher machte. Und zwar ausschließlich mit Augenmaß. Messen im Millimeterbereich war eines Schmiedes unwürdig. Als er mit seiner Arbeit fertig war, gab er das Werkstück zur Begutachtung einem der Lehrlinge. Und tatsächlich, es war in allen Bereichen maßgenau, was bei einigen der Umstehenden ein anerkennendes Murmeln auslöste. Nur ich, der ganz hinten stand, rief ziemlich laut: „Das ist doch nichts Besonderes“. Worauf mich der Schmied bat, doch nach vorne zu kommen und es ihm gleich zu tun. Super!

Also nahm ich den Rundstahl, hielt ihn etwa solange in das Feuer, wie er es getan hatte und schlug mit dem ziemlich schweren Hammer auf den Stahl, bis ich den Eindruck hatte, mein erstelltes Produkt habe eine gewisse Ähnlichkeit mit dem gewünschten Schraubendreher.  Ein Kollege musste nachmessen, und tatsächlich wich mein Produkt in allen Maßen etwas ab, wäre aber durchaus als Schraubendreher verwendbar gewesen.  So kam es, dass der Schmied mich mochte und es erreichte, dass ich ein paar Tage länger bei ihm bleiben konnte. Dadurch blieben mir einige Tage am Fließband erspart. Das waren die schönsten Tage während meiner praktischen Ausbildung. Als es dann doch zum unausweichlichen Ende meiner Schmiedetätigkeit kam, nahm er mich auf die Seite. „Ich verstehe nicht, warum du Kaufmann werden willst. Das ist doch ein blöder Beruf, bei dem man den ganzen Tag hinter dem Schreibtisch sitzt und nichts Vernünftiges macht. Du musst Schmied werden“. Mein Schmied war damals bereits der letzte seiner Zunft und wurde eigentlich nur noch gebraucht, um den Lehrlingen die damals noch notwendigen Kenntnisse beizubringen. Ich wollte ihm nicht weh tun und ihm sagen, dass sein Beruf keine Zukunft hat. Also zeigte ich auf meine dünnen Oberarme. „Mit den Armen wird das nichts, mit so wenig Muskeln“.  Aber er tippte sich an den Kopf. „Mit den Muskeln, das wird mit der Zeit, aber ein guter Schmied braucht es hier oben, und das wächst nicht mit der Zeit“.

Meinem Schmied bin ich seitdem nicht mehr begegnet. Aber in diesem Monat war ich in der Werkstatt des berühmtesten Kunstschmiedes der DDR, Professor Fritz Kühn, und habe seine wunderbaren Arbeiten, seine Bücher und Fotografien gesehen. Ich hatte damals keine Ahnung und mein Schmied hat mich was gelehrt. Danke.

Empfehlungen: Fahren Sie mit der U7 bis Rohrdamm. Dort steht das ehemalige Verwaltungsgebäude von Siemens. Die meisten anderen Fabrikgebäude kann man von dort sehen. Gehen Sie dann den Rohrdamm hoch und biegen rechts in die Diehlmannstraße ein. Dort können Sie die alten Siemens Mitarbeiterwohnungen sehen und anschließend im Park Jungfernheide spazieren gehen.

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