Alt-Treptow: eingemauert – immurred

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Viele Jahre hatten die Menschen in Alt-Treptow nach dem 13. August 1961 besonders unter dem Mauerbau zu leiden. Die Grenze zum benachbarten Neukölln und Kreuzberg  verlief teilweise über den Bürgersteig an ihrem Haus. Wer heute dem Mauerweg folgt, kann das noch gut nachverfolgen. Von einem Tag auf den anderen waren die Nachbarn, die man jahrelang gegrüßt oder sogar besucht hatte, nicht mehr erreichbar. Schon gar nicht die Eckkneipe, wo man sich abends zu Bier und Stammtisch traf und durchaus auch mal eine andere Sichtweise aus dem Westteil zu hören bekam. Plötzlich war man regelrecht eingekesselt. Die Verkehrswege wurden auch innerhalb des Stadtteils unterbrochen. Der lag zwar komplett im Osten, die dazugehörige Straße aber teilweise im Westen. Wenn man zur Arbeit ging oder nach Hause kam, musste man einen speziell gesicherten Grenzabschnitt passieren. Viele Menschen bezahlten mit ihrem Leben für eine nahezu unmögliche Flucht.  Schon kurz nach dem Bau der Mauer wurde in Alt-Treptow ein breiter, von allen Wachtürmen einsehbarer Todesstreifen errichtet, der die Flucht praktisch unmöglich machte. Im Grenzverlauf bildeten die vielen Wasserstraßen ein übersichtliches Schussfeld. Die Spree und die vielen Kanäle waren für Angler und Bootsfahrer nicht mehr erreichbar.

Natürlich war Alt-Treptow an der Grenze zu Neukölln ein idealer Ort für Fluchttunnel, die nur wenige Meter bis zum nächsten Haus gegraben werden mussten. Im Juni 1955 gelang 55 Menschen die Flucht. Noch spektakulärer war zu Beginn des Mauerbaus die Flucht mit einer Leiter, die an die Mauer gestellt wurde. Das Mitführen von Leitern wurde danach genauestens kontrolliert.  Was zu kuriosen Situationen führte. An den grenznahen Baustellen auf der Bouchéstraße durften Leitern nur unter Aufsicht verwendet werden und mussten nach Bauende eingeschlossen werden. 1983 schwang sich ein Mann mit einem Seil von einer Seite der Straße zur anderen, einem anderen gelang die Flucht mit einem Schützenpanzer. Dabei wurde er allerdings schwer verletzt.

Alt-Treptow ist mit nur 2,3 Quadratkilometern Fläche und etwa 12000 Einwohnern einer der kleinsten Bezirke Berlins. Das liegt auch daran, dass 1997 der Ortsteil Plänterwald abgetrennt wurde, der etwa zwei Drittel der ursprünglichen Fläche von Alt-Treptow einnimmt. Nun bleibt den Treptowern als einzige große Grünfläche nur noch der gleichnamige Park mit dem imposanten sowjetischen Ehrenmal. Erst 1994 wurden die letzten russischen Soldaten hier verabschiedet.

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Was gibt es in Alt-Treptow zu sehen? Auf alle Fälle sollte man den Mauerweg entlanggehen, der gut ausgeschildert ist. Der Verlauf der Mauer ist auf den Bürgersteigen aufgezeichnet. Natürlich ist ein Spaziergang im Treptower Park und entlang der Spree bis Plänterwald und auf die Insel der Jugend lohnend. Auf dem nahen Restaurantschiff Klipper wird man mit einem grandiosen Blick über die Spree, aber auch mit  gutem Essen verwöhnt. Wer sich etwas Besonderes leisten möchte, kann neben dem Klipper zu einem Hubschrauberflug über Berlin mit Sekt starten, (Kosten etwa 200 Euro pro Person). In der Nähe des S-Bahnhofs Treptower Park überragen  die Treptowers mit siebzehn Stockwerken und 125 Metern Gesamthöhe alle anderen Bauten in Alt-Treptow bei weitem.

Den für Drogenhandel berüchtigten, an Kreuzberg angrenzenden Teil des Görlitzer Parks sollte man dagegen eher meiden.

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