Kladow Ei Ei Ei/ eggs forever

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Es ist kurz vor Ostern, als ich mit Kladow beginne. In jedem Garten hängen die ausgeblasenen bunten Eier. Es gibt viele Gärten in Kladow, also auch viele Eier. Eine Million nach meiner Schätzung. Da bleibt für den Rest Berlins nicht mehr viel übrig.

Kladow ist der letzte Ortsteil des Bezirks Spandau, den ich noch wandern muss, auch geografisch. Weit entfernt von der Ortsmitte des Bezirks, ländlich, weitläufig, dünn besiedelt, am Rande zu Potsdam. Am Wannsee und am Großglienicker See gelegen . Auf fünfzehn Quadratkilometer kommen gerade mal fünfzehntausend Einwohner. Das wären ungefähr siebenundsechzig Eier pro Bewohner. Mein erster Eindruck wird bestätigt.

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die wohlhabenden Berliner in die Sommerfrische zur Erholung in ihre stattlichen Zweithäuser. Im Winter war es zu kalt und abgeschieden. Die Kurpromenade führt mitten durch den Wald, der Seekorso zum Großglienicker See. Mitten durch ging hier die deutsche Grenze. Während die Kladower in der Mitte des Sees von Grenzsoldaten aufgehalten wurden, durften die Großglienicker auf der anderen Seite nicht einmal bis ans Ufer. Dennoch versuchten hier viele die Flucht, meistens vergeblich.

Kladow nähert man sich am besten mit der Fähre von der Station Wannsee aus. Das ist bei schönem Wetter fast wie eine kleine Kreuzfahrt von einer halben Stunde und sehr erschwinglich. Denn die Fähre gehört zum BVG Streckennetz und ist daher im Tagesticket inbegriffen. Von der Anlegestelle ist es nur ein kurzer Fußmarsch mit schönen Ausblicken zum Landschaftsgarten des Dr. Max Fraenkel, dessen Besuch sich lohnt. Bereits um 1920 wurde der Garten durch den bekannten Landschaftsarchitekten Erwin Barth angelegt.

Die Lokale am See sollte man am besten den fußfaulen Ausflüglern überlassen. Das Speisenangebot ist in jeder schlechten Hinsicht touristisch, die Plätze dennoch am Wochenende schwer zu ergattern. Da geht man besser die kleine Anhöhe zum Gutshaus Neukladow hoch und genießt den Blick auf die Havel bei einem guten Kaffeehaus-Angebot unterm Sonnenschirm auf Holzbänken und -tischen. Leider ist zu befürchten, dass dies auch kein Geheimtipp bleibt.

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Wie es sich für eine Gemeinde in Berlin gehört, verfügt auch Kladow über einen stillgelegten Flughafen. Der wurde von der Britischen Besatzungsmacht betrieben, die sich nach der Wiedervereinigung aber zurückgezogen hat. Heute werden auf dem Gelände alle möglichen, meist fluguntauglichen Gerätschaften der Bundeswehr und der Volksarmee ausgestellt. So auch der Starfighter, der so vielen Bundeswehrsoldaten das Leben nahm. Flugnarren kommen hier voll auf ihre Kosten, und der Eintritt ist sogar kostenlos.

Direkt hinter der ehemaligen Landebahn hat sich ein riesiges Neubaugebiet angesiedelt. Als ob man demonstrieren will, dass von hier nie wieder ein Flugzeug starten soll. Alle Straßen sind Pionieren oder Fanatikern der Luftfahrt gewidmet, bekannten und ziemlich unbekannten. Auch Leonardo da Vinci wurde nicht vergessen, der ja schon Skizzen von flugfähigen Objekten entworfen hat.  Erstaunt war ich, wie viele Frauen sich bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur für die Fliegerei begeistert, sondern auch tatkräftig mitgemacht haben. In diesem Siedlungsgebiet scheinen die Planer mal was richtig gemacht zu haben. Denn neben den modernen Bauhausobjekten, häufig weiße Betonkuben mit Sehschlitzen, gibt es auch Kindergärten, Schulen und sogar Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Von hier aus ist es ein nicht allzu langer Weg zu einer anderen bemerkenswerten Siedlung am Aiblinger Weg:  mehr als fünfzig Doppelhäuser, verteilt auf drei Straßenzüge, alle völlig identisch. Alle ockergelb gestrichen mit grünen Fensterläden.

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Alle? Natürlich nicht. Wir sind in Berlin. Wenn es eine Regel gibt, dann gibt es auch jemanden, der sie bricht. Hier sind es gleich zwei. Denn eine Doppelhaushälfte strahlt in Zitronengelb und eine wurde erst gar nicht verputzt.

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So, jetzt wird es aber Zeit, zur Fähre zurück zu gehen, denn gegen achtzehn Uhr ist Schluss mit der Seefahrt. Wer die aber verpasst hat, kann immer noch den Doppeldecker-Expressbus X34 zum Bahnhof Zoo nehmen und sich Kladow von oben anschauen.

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