Bohnsdorf – bunt

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Es gibt drei Sehenswürdigkeiten, für die sich ein Besuch in Bohnsdorf lohnt. Die kann man bequem an einem Tag erledigen. Die erste ist der alte Dorfkern mit der Kirche, die man im Titelbild sieht. Der steht unter Denkmalschutz und ist recht gut erhalten. Wenn man nicht zu spät kommt, kann man gegenüber der Kirche im Hotel Plovdiv reichlich und für nur sechs Euro frühstücken.

Wer sich für Architektur interessiert, dem sei die Tuschkastensiedlung empfohlen. In der Gartenstadt Falkenberg, einem Teil von Bohnsdorf errichtete der damals junge Architekt Bruno Taut im Jahre 1912 eine Siedlung für Arbeiter. Die ist heute als Weltkulturerbe gelistet. Das Besondere daran ist, dass Taut hier einen völlig neuen Weg einschlug, um den Arbeitern den dringend benötigten Wohnraum zu verschaffen. Die bisherigen einförmigen und farblosen Mietskasernen, mit unhygienischen Verhältnissen in ungesunder Umgebung wollte er ablösen durch versetzt stehende bunte Reihenhäuser mit Gärten. Den Stadtplanern war die Nutzung der Gärten so wichtig, dass sie dafür den Gartenarchitekten Ludwig Lesser beauftragten. Der erste und zweite Bauabschnitt umfassten knapp hundertdreißig Wohnungen. Geplant waren tausendfünfhundert Häuser für etwa siebentausend Bewohner. Dem machte der Erste Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung. So blieb es bei der ursprünglichen aufgelockerten Bebauung am Hang. Jedes Haus mit einer anderen Farbe, was zu dem Namen „Tuschkastensiedlung“ führte.

Bruno Taut hat die Ortsgemeinde eine Straße gewidmet. Es ist die erste, wenn man den Stadtteil vom Bahnhof Grünau aus betritt. Leider hat sie auch das Traut-Center genehmigt. Das ist die wohl hässlichste Einkaufsstätte in ganz Berlin, mit der man sicher nicht den Namen eines so bedeutenden Architekten hätte beschmutzen müssen.

Gleich neben der Tuschkastensiedlung haben nun moderne Architekten begonnen, einen völlig entgegengesetzten Baustil umzusetzen. Hier sind die Gebäude einheitlich schwarz oder grau, wohl um sich von der wunderschönen Umgebung deutlich abzusetzen.

Ein neuer, etwas missglückter Versuch, wieder Farbe nach Bohnsdorf zu bringen, ist das Meininger Hotel mit integriertem ALDI. Da wurden gleich alle Farben in einem einzigen Haus verwendet.

Kommen wir zur dritten Sehenswürdigkeit, dem ehemaligen Atelier von Professor Fitz Kühn. Der war zu seinen Lebzeiten der wohl berühmteste Kunstschmied, Bildhauer und Fotograf der DDR, auch international sehr bedeutend. Auf seine Kunstwerke trifft man noch überall in Berlin, hauptsächlich im Osten der Stadt. So wurde von ihm zum Beispiel der Brunnen am Strausberger Platz gebaut. Viele weltliche und sakrale Bauten wurden durch seine Arbeiten geschmückt. Dazu gehören das A-Portal der Berliner Stadtbibliothek, das Hängekreuz in der Parochialkirche oder Treppengeländer Leuchter und andere Innendekorationen in Kirchen, Theatern und musealen Bauten. Viele davon stehen auch auf dem ehemaligen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Das Werk von Fritz Kühn fand nach der Wiedervereinigung nicht mehr das Interesse wie vorher. Den Vorwurf der Staatsnähe konnte Kühn nie ganz ausräumen. Daher wurde seinen Werken bei städtebaulichen Veränderungen oft nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet. Sie fielen dann meist der Spitzhacke zum Opfer. Um sein Vermächtnis kämpfen heute sein Sohn Achim und der Enkel Tobias, die beide sein Werk fortsetzen. An der ehemaligen Wirkungsstätte haben sie ihr Atelier und auch einen Schauraum, in dem Arbeiten aller drei Künstler ausgestellt sind. Die ist in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofes Grünau, aber auf Bohnsdorfer Gebiet. Ein Besuch lohnt sich immer.

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